17.04.2015

Die Meinung am Freitag, 17.4.2015, von Linda Neddermann und Carsten Werner

„Medien selbstbewusst nutzen - über die eigenen Daten selbst bestimmen"

Wir meinen, dass sich Medienbildung als roter Faden durch alle Bildungsangebote ziehen muss. Wir freuen uns über die Vorschläge von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, die sich insbesondere um die Information von Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen sowie um die technische Umsetzung von privat einsatzbarer Filtersoftware kümmern will. Das sind wichtige Voraussetzungen. Aber konkret findet die Bildung und Förderung von Medienkompetenz vor Ort in den Kitas und Schulen, auch in der Erwachsenenbildung und im Freizeitbereich statt. Auch Bremen muss die technischen, inhaltlichen und zeitlichen Möglichkeiten dafür in den Bildungseinrichtungen schaffen. Schließlich müssen alle BürgerInnen zwischen 5 und 105 medial souverän agieren können. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren viele Ideen gesammelt und Vorschläge gemacht. Mit dem Aufschlag ihrer Ministerin Manuela Schwesig sollte für die kommende Wahlperiode auch die SPD bereit sein, unseren Vorschlägen zu folgen.

Immer alltäglicher werdende technische Fertigkeiten verschieben in der Vermittlung von Medienkompetenz den Fokus auf einen souveränen Umgang mit Inhalten und mit Daten. Das gilt angesichts des rasanten technologischen Wandels für alle Generationen. Je vielfältiger die Quellen für Informationen, Unterhaltung und Wissen werden, desto wichtiger werden Einordnung, Filterung und Verständnis von Medien - vom gedruckten Wort und Bild über audiovisuelle Medien bis zu den Sozialen Netzwerken. Je mehr das Internet zum öffentlichen Raum wird, um so mehr verbreiten sich dort auch soziale Probleme, Streitigkeiten und Kriminalitätsformen. Nahezu jede/r Zwölfjährige ist im Internet unterwegs, 80 Prozent davon mit Smartphones oder Tablets - also potentiell alleine. Das macht Kinder und Jugendliche im Internet leicht zu Opfern von Cybermobbing und Sexting, üblen Kommentaren und Bildern, von psychischer und physischer Gewalt. Durch technische Beschränkungen lässt sich dies kaum verhindern. Um so wichtiger ist ein souveräner, offener Umgang mit Medien und allen ihren Formen und Inhalten - und ein offener Umgang mit Problemen dabei.

Wir schlagen deshalb einen "Bremer Medienkompetenztag" nach dem Vorbild anderer Städte an Kitas, Schulen, Hochschulen, Behörden und Sozialeinrichtungen vor. Unter Beteiligung von Medienunternehmen, NGOs im Bereich IT und Datenschutz, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen könnten dabei generationenübergreifend Erfahrungen und Wissen ausgetauscht, Risiken und Chancen verdeutlicht und wichtige Impulse zur Weiterentwicklung der Medienbildung gegen werden - vom "Safer Internet Day" über "Enkel hilft Oma" bis zum Austausch digitaler Erfahrungen zwischen Jugendlichen und Polizei. Auch klassische Projekttage, Fortbildungen und Projekte der Ganztagsbetreuung sollten von der Programmierung über Datenschutz bis zum Erkennen populistischer Propaganda mediale Themen bearbeiten.

Wir wollen den Bürgerrundfunk endlich wieder zu einem zeitgemäßen und zugangsfreien Bürgermedium zur Medienkompetenzvermittlung machen und die dafür zur Verfügung stehenden Gelder zur generationenübergreifenden Förderung von Medienkompetenz nutzen. Auch die bremische Medienförderung durch die Nordmedia muss sich mit einem Schwerpunkt an der Entwicklung von Kinder-, Schüler- und Bürgermedien sowie von Projekten und Produkten zur Medienkompetenzvermittlung beteiligen.

Voraussetzungen dafür sind ein "Rahmenplan Medien", der sich von den Kindertagesstätten über die Grundschulen bis zum Schulabschluss erstreckt und mit einem Rahmenplan kulturelle Bildung verknüpft wird - und die Ausstattung von Schulen und Kitas mit Infrastruktur und Geräten, so dass ein freies Arbeiten an und mit Medien im Unterricht und in der Ganztagsbetreuung möglich wird.

Unser gemeinsames Thesenpapier „Medien selbstbewusst nutzen - über die eigenen Daten selbst bestimmen" finden Sie als PDF zum Download hier: cwergenwelt.files.wordpress.com/2015/04/grucc88ne_medienkompetenz.pdf

und mit weiterführenden Links versehen hier: wp.me/pXD3a-aL

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