30.01.2015

Die Meinung am Freitag, 30.1.2015, von Sabine Mehlem

Hände weg von Fitnessarmbändern !

Ich meine, dass wir die Hände von Fitnessarmbändern lassen sollten. Krankenversicherungen fangen damit an, ihre Kunden mit Fitnessarmbändern auszustatten. Diese Fitnessarmbänder können dann persönliche Gesundheitsinformationen aufnehmen, die an die Versicherung weitergeleitet werden. Die Versicherung belohnt dann das (angeblich) gesunde Verhalten des Kunden mit Prämien oder Rabatten. Und technisch ist vieles mehr machbar; die Smartwatches können noch mehr Gesundheitsinformationen, wie Blutzuckerwerte und Cholesterin, aufnehmen.

Die Speicherung von persönlichen Daten muss aber nicht auf Gesundheitsdaten über Fitnessarmbänder beschränkt bleiben. Da lässt sich noch mehr machen; z.B. der digitale Kühlschrank, der „weiß“, welche Lebensmittel aus ihm genommen werden und dieses der Versicherung mitteilt. Oder die digitale Toilette, die den Urin nach Benutzung der Toilette auswertet und die Daten an die Versicherung schickt.

Die Generali Versicherung will nun ihren Kunden eine App zur Schrittüberwachung anbieten. Im Gegenzug bekommt der Kunde Vergünstigungen. Mit derartigen Apps – die immer genaueren Aufschluss über körperliche Aktivitäten geben können – besteht ein erhebliches Überwachungspotenzial. Ja, es ist richtig, derzeit ist die Erhebung dieser Daten (noch) freiwillig. Aber das kann sich ändern, wenn man genug Freiwillige hat, die auch den Gruppendruck auf den Einzelnen erhöhen. Sollte sich ein solcher Trend durchsetzen und als gesellschaftlich normales und akzeptiertes Verhalten angesehen werden, dann werden wir das alle zu spüren bekommen – ob krank oder gesund, ob sportlich oder unsportlich. Und dieses Verhalten der Versicherungen mag ihr Risiko der minimieren, es ist aber in höchsten Maße unsozial und es widerspricht und sprengt das solidaritäts-und risikobasierte System der Versicherungen, denn Versicherungen sind Risikogemeinschaften, die Unvorhergesehenes abdecken sollen.

Ich meine, wir sollten Versicherungen nicht derartige persönliche Daten über uns mitteilen. Es hat die Versicherung nicht zu interessieren, ob ich mich viel oder wenig bewege; dies geht die Versicherung nichts an sondern fällt unter Datenschutz. Wenn sich ein solches System durchsetzen sollte, ist der Weg in eine Gesundheitsdiktatur nämlich nicht mehr weit. Es gibt genügend technische Möglichkeiten, mit denen man unser Verhalten überwachen kann – natürlich alles nur zu unserem Besten! Irgendwann fliegt dann eine kleine Drohne über uns, die ständig aufpasst, was man isst oder ein Empfänger am Smartphone, der bei Tabakqualm Alarm schlägt. Wohin soll das führen, wenn die Versicherung weiss, ob jemand als faule Couch-Potato betrunken ins Bett getaumelt ist?!

Also: Hänge weg vom Fitnessarmband!

Sabine Mehlem, AK Technik

Kategorien:Gesundheit

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