04.10.2018

Die Meinung am Freitag, den 05.10.2018, von Joachim Lohse

Ich meine, dass wir uns über die allermeisten von Bremens Baustellen freuen können. Ja, liebe Freundinnen und Freunde, das meine ich ganz im Ernst. Denn zum einen ist es albern, über Baustellen zu meckern und sich zugleich über kaputte Straßen zu beschweren. Und zum anderen sollte es erlaubt sein, auch mal etwas genauer hinzuschauen. Und wer genau dies tut, wird feststellen, dass Baustellen seit ziemlich genau elf Jahren in Bremen immer einem fortwährenden Muster folgen: Rückbau der autogerechten Stadt, damit einhergehend die Stärkung der Infrastruktur für den Umweltverbund und einem Ausbau der Verkehrssicherheit insbesondere für die schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen.

 

Ich selber ärgere mich höchstens darüber, dass wir die vielen guten Ansätze aus unserem Verkehrsentwicklungsplan (VEP) nicht schneller umsetzen können. Dennoch gestatte ich mir einmal auf gewisse Baustellen hinzuweisen, die uns Grünen immer viel Prügel auch medial eingebracht haben, die jedoch aus unserer Perspektive ausgesprochen sinnvolle Baustellen waren. Gerade eben bauen wir das Herdentor um und verbessern dadurch die Situation für täglich tausende Verkehrsteilnehmer*innen zu Fuß und auf dem Rad. Gleiches gilt für die Bürgermeister-Smidt-Brücke, die wir mit zwei Fußgängerquerungen inklusive Ampeln entschärfen. Die Dobbenkreuzung haben wir diesen Sommer barrierefrei gemacht, die Bismarckstraße und den Osterdeich lassen sich jetzt leichter überqueren, wir haben etliche Kilometer Fahrradstraßen ausgewiesen und errichten in der Neustadt das erste Fahrradmodellquartier in ganz Deutschland.


Und fast schon mit Wehmut erinnere ich mich an den Shitstorm um die Fußgängerampel an der Berliner Freiheit. Danach kräht heute kein Hahn mehr. Und selbst den vom WK-Chefredakteur als „Todesstern“ getauften Kreisverkehr haben wir deutlich entschärft und wesentlich übersichtlicher für alle Verkehrsteilnehmer*innen umgebaut.

 

Wie gesagt: Gerne mehr davon. Wir müssen uns nicht in Sackleinen hüllen, wenn uns unsere grüne Verkehrspolitik vorgehalten wird. Wir sollten die vielfältigen Vorwürfe und die künftigen finanziellen Möglichkeiten eher als Motivation nehmen, um den VEP noch schneller umzusetzen. Denn Fakt ist: Baustellen sind immer ein gefühltes Problem, und das, wenn sie da sind, genauso, wie wenn sie nicht da sind – das heißt, wenn nichts passiert. Schön ist allein eine perfekt intakte Infrastruktur, die allen heutigen Ansprüchen genügt. Aber die haben wir zurzeit leider nicht. Bremen hat mit seiner Infrastruktur über Jahrzehnte von der Substanz gelebt, und wir haben einen riesigen Korrekturbedarf, um die Verfehlungen der „autogerechten Stadtplanung“ Schritt für Schritt wieder gerade zu rücken.

 

Und so allmählich dürfte es vielen auch dämmern, dass die gesamte Verkehrsinfrastruktur vor einer weiteren gigantischen Herausforderung steht, vor der wir Grünen schon immer gewarnt haben und wofür wir ebenfalls lange ausgebuht wurden: Der Raubbau mit unserem Klima insbesondere durch Verkehr. Denn der zurückliegende Sommer hat anschaulich unter Beweis gestellt, wie ein sich rapide änderndes Klima auf Straßenbeläge auswirkt. Und wie diese Hitzeschäden durch den stetig zunehmenden (Schwer-)Lastverkehr potenziert werden. Mit der Folge, dass wir neben den erwähnten sinnvollen Baustellen auch noch die nicht planbaren hinzubekommen, die durch Schwerlastverkehr verursacht und durch Frost oder Hitzesommer verschärft werden.

 

Übrigens: Der Vorwurf, dass wir zu viele Baustellen gleichzeitig hätten, kommt zuverlässig in jedem Jahr - verbunden mit der strikten Forderung, Rücksicht zu nehmen auf Weihnachtsgeschäft, Freimarkt, Osterwiese und was es noch so an Veranstaltungen gibt. Gleichzeitig steht der permanente Dauervorwurf im Raum, dass wir zu wenig tun, um die Infrastruktur zu erhalten und weiter zu entwickeln. Und genauso wie der Vorwurf, dass wir ganz bestimmte Baustellen angeblich nur einrichten, um ein politisch gewolltes „Verkehrschaos“ zu produzieren.

 

Wie gesagt: Baustellen sind immer ein Problem! Aber Bauen und Reparieren ohne Baustelle geht nun mal leider auch nicht.

Kommentare:

Torsten Riemeier aus BREMEN schrieb am Freitag, 05.10.18. 22:25:
Weiter so, das Auto hat nichts mehr in der Stadt zu suchen. Die Stadt ist Lebebsraum für Menschen, auch für Tiere, alleine die Heizungen und Industriebetriebe belasteten so schon genug die Umwelt, da braucht man nicht noch den Dreck von tausenden Autos von Egoisten! Heute hat jeder die Möglichkeit im Internet, sich zu versorgen, auch kann man heutzutage von zu Hause aus arbeiten, ich persönlich brauche überhaupt nicht mehr von mein Sofa runter, meine Emisionen dürften ausser wenn es Bohnensuppe gab, gegen Null gehen. Also Abschaffung des Induvidualverkehr und Bremen zu Arbeitsfreien Zone machen und wir sind mit unseren produzierten Schmutz bald wieder zufrieden in Steinzeit!

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